Studiengebühren


Die Einführung der Studiengebühren in deutschen Universitäten war und ist eines der umstrittensten politischen und sozialen Themen. Die Befürworter argumentierten, dass dieser Schritt notwendig sei, um den maroden Zuständen an deutschen Universitäten, übervölkerten Auditorien, dem Mangel an Lernmittel und Lehrkräften usw. entgegen zu steuern. Gleichzeitig gingen dazu passende, erschreckende Bilder z. B. von besetzten Hörsälen durch die Medien. Die Gegner der Studiengebühren begründen ihre Position mit einem Appell für soziale Gerechtigkeit, und beide Gruppen haben ja z. T. recht. 

Es sind vor allem die fehlenden Investitionen ins Bildungswesen insgesamt, die die Qualität der Bildung an deutschen Hochschulen gefährden und damit unseren diesbezüglichen Wettbewerb auf internationaler Ebene kontraproduktiv unterlaufen. Dieser beklagenswerte, heutige Zustand ist zurückzuführen auf jahrelange Schlampereien in der deutschen Bildungspolitik. 

Die bequeme Problemlösung, die gefunden worden war, hieß Studiengebühr, also die Verteilung der Lasten auf die schwächsten (weil nicht organisiert) Mitglieder der Gesellschaft - die Studenten. Das sind jene jungen Menschen, die während ihrer langen Ausbildungszeit kein Geld erhalten, obwohl auch sie, wie alle Menschen, Miete zahlen müssen, Nahrungsmittel und Bekleidung kaufen müssen, dringend Lernmittel wie Bücher, Software, Computer benötigen und unter diesen Vorzeichen zusätzlich auch noch Studiengebühren aufbringen müssen. Die Frage, wie die Studenten das praktisch umsetzen können, hat sich keiner der gut betuchten Entscheidungsträger gestellt. Die Bildungsminister der Länder gehen a priori davon aus, dass die "reichen" Eltern studierender Kinder das sehr gern aufbringen möchten und können.

Es war ein langer Weg vom Analphabetentum des größten Teils des Volkes bis hin zur weitgehend umgesetzten Chancengleichheit für alle Studierenden in den 1970er und 1980er Jahren. Aber genau diese großartige Errungenschaft, dass "kastenunabhängig" alle intelligenten Menschen in Deutschland studieren können, ist dann leider nicht mehr weiter verfolgt worden mit der Folge, dass wir heute indische IT-Spezialisten darum betteln müssen, in unser Land zu kommen, aber der Reihe nach.

"Bundesausbildungsförderungsgesetz". Das BAföG wird für die meisten Studierenden so "üppig" bemessen, dass die Studenten, und das ist schon fast die Regel, zwei oder drei Minijobs nebenbei mit erledigen müssen, ein Umstand, der einem zügigen und vor allem guten Studienabschluss zuwiderläuft. 

Das ist in Deutschland der raue Umgangston mit all jenen Menschen, die in Zukunft die besonders großzügigen Steuerzahler in unserem Land sein werden. Aber diese zukünftig tragende Säule der Gesellschaft erfährt kaum Unterstützung. Ein kleiner Blick über den Tellerrand kann ja manchmal nicht so sehr schaden. In der früheren "bösen, kommunistischen" Sowjetunion z. B. bekamen alle Studenten grundsätzlich ein Stipendium auf dem Niveau eines Mindestlohnes, von dem man im Prinzip leben konnte. Auch das moderne, viel kritisierte Russland hat diese soziale Errungenschaft beibehalten. Da kann man sich der aufkommenden Frage nicht erwehren, warum die wirtschaftlich stärkste Nation im Herzen Europas dazu nicht in der Lage ist. 

Auch beim Thema Studiengebühren hat das föderalistische deutsche Staatswesen mal wieder sein Unwesen bewiesen. Das Hü und Hot bei den unterschiedlichen Landesentscheidungen führte zu Studenten erster und zweiter Klasse, eben ohne und mit Studiengebühren. Im Ergebnis wurden im deutschen Absurdistan dadurch "Völkerwanderungen" ausgelöst. So waren bald die Universitäten der gebührenfreien Bundesländer überfüllt. Dies gilt übrigens auch für unser Nachbarland Österreich, das nicht amüsiert ist über den Andrang deutscher Medizinstudenten, der aber vor allem auch mit unserem völlig überzogenen Numerus clausus zu tun hat.

Nach dem nun endlich die beiden letzten Bastionen der Studiengebühren, nämlich Bayern und Niedersachsen gefallen sind, keimen die ersten Begehrlichkeiten in dieser Richtung schon wieder hoch. Viel wichtiger ist doch die Antworten auf die Fragen, was uns die Bildung unserer Kinder wert ist und wo wir in Deutschland die Prioritäten der Politik setzen wollen. Vielleich lieber investiert die Geselschaft in die Bildung als in Militär, was ist der Fall in heutige vollkomm unnöhtige Konflikt mit der Russland. Und man sollte endlich diese unglorrienreiche Kapitel mit dem Studiengebühren schliessen und vorgessen. 

Hinweise:

http://www.gew.de/Studiengebuehren.html

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